Verantwortung

Eintrag von Burkhard am 30.10.2012 | 3 Kommentare

Verantwortung hat für mich zwei Seiten. Meist wird die persönliche Seite gesehen: wenn etwas schief läuft, heißt es, wer übernimmt dafür die Verantwortung (und geht...). Darf dieser Mensch also nicht aus seinen Fehlern lernen? Daher hat für mich die Verantwortung auch eine strukturelle Seite. Ist mein Bereich, meine Funktion, mein Arbeitsfeld und am Ende die ganze Organisation so eingerichtet, dass ich die Verantwortung dafür auch selber habe? Kann ich über mein Budget entscheiden? Kann ich meine Mitarbeitenden einstellen, nötigenfalls auch entlassen? Ich kenne viele Menschen in verantwortungsvollen Führungsfunktionen, die das alles nicht können - es sind zahnlose Tieger und der Chef vom Chef darf und muss alles entscheiden. Wie kann ich also meinen Bereich so gestalten, dass meine Verantwortung auch bei mir bleibt, die meines Chefs auch bei ihm und die meines Mitarbeiters ebenso bei ihm selber.

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Kommentare

  • Ich wundere mich, wie weit das archaische Sündenbock-Modell noch verbreitet ist. Verantwortung wird aber in einer Kultur der Kontrolle und Schuldzuweisung nur ungern übernommen – zu gefährlich.
    Der „bezahnte Obertiger“ lebt auch gefährlich, denn er vollzieht die Lage an der Front, im Verant-wortungsbereich seines Mitarbeiters, nur aus 2. Hand nach. Trifft er Fehlentscheidungen, wird sein Elfenbeinturm ins Schwanken geraten.
    Es gelingt mit einer Fehler- und Lernkultur, die mir ermöglicht, angstfrei – gesichert – kreativ zu arbeiten, dabei Erfahrungen zu machen, Erkenntnisse zu sammeln, incl. Fehler zu machen und daraus zu lernen. Kompetenzen und Budget erweitern den Handlungsspielraum, der es mir ermöglicht, darin Verantwortung zu übernehmen.

    Erstellt von Susanne Rick-Wagner, 03/12/2012 3:30pm (vor 6 Monat)

  • Ich bin überzeugt, dass eine Unternehmung die Verantwortung auf dem Einzelnen und seinem Bereich/Funktion lässt, weniger Ausfälle hat. Den zahnlosen Tiger ersetze ich gerne mit dem "Eunuchen"; er weiss wie es geht und kann nicht. Da freue ich mich heute tagtäglich zu spüren: ich bin am Drücker, ich entscheide, ich habe die Macht. Dazu gehört, dass ich meinen Vorgesetzten nicht einlade in meinem "Territorium" zu wildern. Je mehr Kompetenz mein Chef in meinem Fachgebiet hat oder je mehr Details der Planung/Budget ich zeige, umso grösser ist die Gefahr, dass er mir meine "Zähne/Eier" klaut. Oder er beginnt mir zu sagen wie er das tun würde und ich mache es so. Wenn es schief läuft bin ich nicht Schuld (Verantwortung ist beim Chef). Oder ich suche mir einen Schuldigen wie beim Fussball der Trainer, das Material, die Krise, etc. Ja; ich bin Stolz. Das was du beschreibst Burkhard, darf ich tagtäglich erleben mit Zähnen und Eiern.

    Erstellt von Gerold, 09/11/2012 8:15am (vor 7 Monat)

  • Tja, zugetraute Verantwortung geht wohl irgendwie mit den zugewiesenen Kompetenzen einher. Wenn ich zB. keine Kompetenz habe, über mein Budget zu entscheiden, werde ich dir Verantwortung dafür auch nicht übernehmen. Insofern stimmt das Bild vom zahnlosen Tiger, aber ganz ganz oben sitzt dann der bezahnte Obertiger, der alles kann und alles entscheidet - sozusagen im Elfenbeinturm...

    Erstellt von Michael, 03/11/2012 3:30pm (vor 7 Monat)

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